Weyde: A New Hope

“Wir sind der Spagat zwischen cool & commercial ”, verrät uns Alexis, zuständig für die stilistische Ausrichtung der Weyde, als wir gerade an einer schweißenden Bauarbeiterin auf dem Mainfloor vorbeischleichen. “Vorsicht mit den Füßen, nicht dass ihr sie euch an dem Baumaterialien abreisst”, grinst er uns an. Und tatsächlich: in der Weyde, dem neuen Clubprojekt in Schöneweide, herrscht geschäftiger Baubetrieb. Überall hämmert, knattert, und zischt es.

Als die mediale Berichterstattung über das aufsteigende Clubsternchen begann hohe Wellen zu schlagen, wurde aus dem kleinen Informationshäppchen “gleiches Architektenbüro wie im Berghain” schnell das frei interpretierte Gerüchtehäppchen “neues Berghain in Schöneweide”. In der Weyde ist man von diesem Vergleich wenig begeistert. Hier wird ein ganz eigenes Konzept erarbeitet, das sich sowohl visuell als auch inhaltlich deutlich vom Tempel der schwarzen Kleidung abhebt. Es werde keine all zu starre musikalische Ausrichtung auf eine bestimmte Art Techno bzw. elektronischer Musik geben, wie in vielen anderen Berliner Institutionen. Wir wollen noch nicht zu viel preisgeben, aber auch die Optik wird ein ganzes eigenes Kapitel schreiben.

Mal Hand auf’s Herz: Schöneweide klingt nach einem laaangen, laaaangen Weg. Bis zur Unendlichkeit und zurück. Tatsächlich hält sich der zeitliche Aufwand aber in Grenzen: vom Ostkreuz dauert es mit der S-Bahn schlappe 20 Minuten, bis man am Club ist. Die Tramlinie 21 “Sisyphos-Express” braucht vom Gleis 9 3/4 bis vor die Clubtür sogar nur 19 Minuten. Die Gerüchte um das geplante Wasser-Taxi, also einer Art Fähre, die Gäste über die Spree direkt zur Anlegestelle des Clubs bringen könnte, wurden ein wenig relativiert. Es wird sie geben, lediglich bis hin nach Mitte wird es schwieriger – Aufgrund von Schleusen auf dem Weg ab höhe Kater Blau sei dies ein sehr kosten- und zeitfressendes Unterfangen.

Die Location

Das Indoorareal teilt sich auf drei Floors auf: ein riesiger Mainfloor, für den eine aufwendige Beleuchtung geplant ist, ein etwas kleinerer Floor, dem das Wort “Techno” quasi auf die Stirn geschrieben steht und ein Floor direkt an der verglasten Wasserfront, der jetzt schon cooler aussieht, als so manch anderer „Wasserfloor“. Auch Audiofetischisten können aufhorchen: Auf den beiden Hauptfloors wird es Funktion One Sound geben, während auf dem Waterfloor eine Anlage von der Berliner Firma Kirsch Audio installiert wird – einige kennen diesen akustischen Genuss vielleicht schon aus der IPSE oder aus der Zeit des Rechenzentrums.

Während Alexis uns durch den Club führt, wird er zusehends euphorisch. “Dann kommt hier noch eine Bar hin, die lässt sich nach Bedarf verlängern, und hier kommt noch eine riesige Metalltür – die man aber aufmachen kann, und hier – hier wird es aussehen wie ein kleines Labyrinth – wegen des Schallschutzes”.

Überhaupt scheint das vom Studio Karhard erstellte Innenkonzept sehr ausgeklügelt. Die großen Räumlichkeiten können in perfekter Harmonie voneinander getrennt und wieder zusammengefügt werden und ergeben doch wieder ein stimmiges Ganzes. Die Location wird wohl eine Mischung aus Musiktempel, Mosaik und Labyrinth, bei der Multifunktionalität im Vordergrund steht. Ein paar verschobene Türen passen den Club im Handumdrehen auf die Größe der jeweiligen Veranstaltung an: so wird es nicht nur Technospaß am Wochenende geben, sondern auch Bands mit kleinerem bis mittelgroßem Publikum werden sich mit der Weyde arrangieren können.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Location: In seinem Umfang ist die Weyde nicht nur ein Club, sondern eher drei. Neben dem großen Indoorbereich gibt es noch ein Außenareal direkt am Wasser, das förmlich “Open Air, Open Air!” schreit. Außerdem steht der Weyde das riesige Dach des Parkhauses zur Verfügung, in dem sich der Club befindet. Auch hier kann sich kreativ ausgetobt werden – von Kulturevents (z.B. Vinylflohmarkt, Openairkino) bis zur Partyfläche ist alles möglich.

Der Wermutstropfen

Momentan ist Schöneweide in unseren Köpfen noch nicht als “cool” verzeichnet. Wenn man nachts aus einem Club stolpert und weiterziehen will, werden sich wohl die wenigstens denken “auf nach Schöneweide, da geht’s doch voll ab!”. Der Bezirk hätte das natürlich gerne und ist daher auch Feuer und Flamme für das Projekt. Sicher ist für uns: das Potential für einen großartigen Club ist da – die Frage wird sein, wie viel davon aktiviert werden kann.

Die Eröffnung des Clubs findet am 12.12. statt. Vorerst wird nur auf dem Wasserfloor getanzt – die großen Floors werden noch etwas an Feinschliff benötigen, bevor auch hier die Pforten geöffnet werden.

Wir bleiben gespannt! 

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