Interview mit Martin Books

Techno, wie er im Buche steht

Martin Books startete seine Karriere im Electronic Music Business auf dem ganz klassischen Weg. In einer musikalischen Familie aufgewachsen – Vater Schlagzeuger in einer Band und Mutter leidenschaftliche Klavier-Spielerin – wurde er Anfang der 90er Jahre stark durch den damals aktuellen Synth-Pop beeinflusst und landete in der Hochzeit von Rave Mitte der 90er bei elektronischer Musik. Nach ein paar Jahren des Solo-Auflegens lernte er 2003 den Musiker Danjell kennen und die Chemie zwischen den beiden stimmte auf Anhieb. Gemeinsam tourten sie kurze Zeit später als „Telemen“ auf Festivals, wie dem Melt!, SonneMondSterne oder Rave on Snow. 2008 war für den Berliner DJ und Produzenten die Zeit gekommen, sich wieder seiner Solo-Karriere zu widmen und so produzierte er diverse Tracks und Remixe für das Label Supdub. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit anderen Musikern für Martin immer sehr wichtig gewesen, damit sich Ideen gegenseitig befruchten können. Also wurde nicht lang gewartet, sondern sich direkt mit Alfred Heinrichs (von Heinrichs & Hirtenfeller) im Studio verschanzt. Neben verschiedenen EPs erschien 2012 dann das gemeinsame Album „Hey Mate“ auf Supdub, unterstützt durch eine ausgedehnte Album-Tour der beiden. Ein halbes Jahr später dann das Solo-Album „Moi Baby“. Martin wird einfach nicht müde. Anfang 2013 gründet Martin Books sein Label „Carti Records“ um hier seine Vision von Tech-House mit leichtem Hang zum Techno noch besser ausleben zu können. Seitdem ist Martin quasi pausenlos in den Clubs der Republik unterwegs. Heute sprechen wir mit ihm über seine Liebe zu Berlin.

 

1.Erinnerst du dich noch an deinen ersten Besuch in einem Berliner Techno-Club? Wann und wo war das?

Das werde ich natürlich niemals vergessen, es war im Jahr 1995 im Club E-Werk. Da war der Martin noch Hobby-DJ und super heiß auf sein ersten Clubgang. Freunde nahmen mich mit und als ich drin war, hatte ich keine Zweifel mehr, wohin meine Reise gehen würde. Es war für mich mehr als ein Kulturschock, ich musste diese ganzen Eindrücke erst mal verarbeiten. DJ Disco hatte gerade gespielt, in dieser mega Location, drei bisexuelle Männer hatten mitten im Club Sex mit einer Frau, dazu dieser krasse Sound, die Leute, das Licht… Da dachte ich mir „Oh yes, Baby“. Alles war so ungezwungen und ausgelassen, ich liebte es sofort.

2. Und wo hast du dann das erste Mal selbst in Berlin aufgelegt?

Wenn ich nicht recht erinnere, war das im Subground. Für mich war das natürlich total neu, mich das erste Mal auf einem Flyer zu sehen, wie nett man sich um einen gekümmert hat während des Abends und dann das erste Mal richtig im Club zu Spielen. Mann war ich da aufgeregt!

3. Würdest du sagen, dass das Publikum in Berlin ein anderes ist, als in anderen deutschen Großstädten?

Überhaupt gar nicht! ich finde die Stimmung ist abhängig von verschiedenen Faktoren, z.B. von der Energie, manchmal komme ich in einen Club und spüre förmlich die Energie der Leute, alle sind mega gut drauf und sind total heiß, richtig zu feiern. Natürlich gibt es auch mal Veranstaltung, wo das nicht so ist, es ist zwar voll, aber es kommt nicht wirklich Stimmung auf. Das liegt dann aber daran, dass viele eigentlich nicht regelmäßig zu Techno feiern und nur da sind, weil irgendwie alle da sind. Aber zum Glück kommt das nur sehr selten vor.

4. Wenn du heute privat in Berlin feiern gehst, wo kann man dich dann antreffen?

Ich gehe privat natürlich nicht so oft feiern, das spielen reicht mir, aber wenn ich mal Lust habe, mal eine ganze Nacht zu Tanzen, dann mach ich das mit mein Freunden im Berghain. Da fühle ich mich einfach wohl und kann mich für kurze Zeit vom Alltag verabschieden.

5. Welchen Geheimtipp hast du sonst noch? Klamotten-Store, Restaurant etc.

Shoppen gehe ich natürlich auch super gerne, ich mag einfach neue Sachen. Empfehlen kann ich Workaholic, oder Latte wie Hose. Wo ich auch gerne einkaufen gehe, ist Peek & Cloppenburg, da find ich oft was Schönes, von elegant bis hin zu meinem alltägliches Zeug… So erst mal richtig geil Werbung gemacht. Kontonummer reiche ich nach.

6. Du bist selbst ein sehr fleißiger Produzent. Woher nimmst du dir die Inspirationen für deine Tracks?

Das Wichtigste für mich ist, dass ich frei im Kopf bin von Stress und Ärger und meinen Sport mindestens vier Mal die Woche habe. Ich probiere, jamme natürlich viel herum im Studio, aber sehr viel passiert dann später, zum Beispiel abends im Bett vor dem Schlafen bei mir im Kopf. Ich gehe in Gedanken alles noch mal durch und überlege, wie es weitergeht und da setze ich dann am nächsten Tag wieder an, meist klappt das immer ganz gut. Aber wie wahrscheinlich viele andere auch, habe ich auch mal ein kreatives Loch, bestimmt ein Mal im Jahr. Da mache ich dann bestimmt vier Wochen gar keine Musik.

7. Du hast mit Carti Records auch dein eigenes Label am Start. Was veröffentlichst du dort und wie entscheidest du über die einzelnen Releases?

In erster Linie muss es mir gefallen, und nach so vielen Jahren bekommt man, denke ich, ein Gefühl dafür. ich merke es zum Beispiel an meinen eigenen Produktionen, Tracks die ich selber gerne spiele, funktionieren meist im Verkauf immer ganz gut, denn man muss ja die Kosten berücksichtigen, die anfallen, bevor ein EP oder ein Album überhaupt released wird. Aber natürlich war Carti Records gedacht, anderen und mir eine weiter Plattform für Musik zu bieten.

8. Wie würdest du deinen Sound im Allgemeinen beschreiben?

Wie ich diese Frage hasse! Mein Sound ist einfach Techno, mit leicht housigen Elementen. Meine Tracks haben meist markante Subbässe, und ich freu mich natürlich, wenn andere sagen, dass man Martin Books sofort raus hört.

9. Welche Projekte können wir von dir in naher Zukunft noch erwarten?

Es wird in naher Zukunft ein neues Projekt geben, wo ich meine liebe zum Techno noch weiter ausleben kann. Martin Books hat seinen Sound und den jetzt radikal zu verändern, würde sehr verwirren, deshalb ein neues Projekt. Natürlich kostet ein neues Projekt sehr viel Zeit und Energie, deswegen werde ich es vorerst bei Produktion belassen, der Fokus liegt nach wie vor auf Martin Books und dafür kommt meine neue EP „To many doors“ in ca. 4 Wochen raus. Dazu gibt es zwei tolle Remixe von Alex Young aus Mexico und Vonda7 aus Berlin.

10. Wenn du an der Berliner Szene etwas ändern könntest, ganz egal was, was wäre das?

Leider ist es in Berlin schon immer Gang und Gebe, dass es Clubs gibt, bei denen wir immer Bookings ablehnen, weil andere Clubs diese nicht akzeptieren, oder du dir deinen Ruf kaputt machst. „Spielst du dort, spielst du bei uns nicht mehr“ ist da das Motto. Ich finde es schade, weil vielleicht Gäste in diesen Clubs meine Musik auch mögen und mich dort gerne spielen hören möchten… Leider wird das immer so bleiben und es wird sich nicht ändern lassen, also in Berlin auf jeden Fall nicht.


Wenn ihr Martin Books sehen und hören wollt, kommt am 29. Juli zum Berlin ist Techno ✘ MAGDAlena Event!

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Martin Books Official

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