Einen Tag und eine Nacht im Birgit & Bier am Schleusenufer zu verbringen. gleicht ein wenig einer bunten Karussellfahrt durch Alice‘s Wunderland. Auf unterschiedlichen Floors und Open Air Areas erstreckt sich eine Welt für Liebhaber von House bis Techno. Bei der Brigit wurden Clubträume in Holz gezimmert und überall kleine Orte des Staunens und Entdeckens geformt. Was früher einmal ein Autohof war, ist mittlerweile einer der spannenden Berliner Spielplätze für elektronische Musik. Nicht zuletzt der Booker Roy ist für die Seele des Clubs verantwortlich. Er schnürt Monat für Monat Pakete des Glücks voller unentdeckter Artist und bekannter Acts. Tanzbare Wundertüten, die schnell mal dazu einladen gleich mehrere Tage in der Birgit zu verbringen. Wir haben mit Roy gesprochen, um ein wenig hinter die Fassade zu schauen.

 

Wie sieht die Monatsplanung bei Birgit & Bier aus? Welche Kriterien sind für euch besonders wichtig, wenn ihr einen Act bucht?

Normalerweise überlegen wir uns zuerst ein Partythema, bevor wir mit dem Booking anfangen. So kann ich das musikalische Programm der Atmosphäre anpassen, die ich mir erhoffe und vorab schon ungefähr einschätzen kann. Mir ist es extrem wichtig, mit aufgeschlossenen DJs zusammenzuarbeiten, die engagiert bei der Sache sind und ihren Gig nicht wie irgendeinen langweiligen Bürotag angehen.

Neben bekannten Acts gebt ihr auch lokalen Acts und Newcomern die Chance, ihr Talent zu zeigen. Was ist die Idee dahinter?

Das ist gerade die Herausforderung eines jeden Bookers, bekannte internationale Künstler und junge aufstrebende Talente zusammenzubringen. Einen bekannten internationalen Act zu buchen ist für uns finanziell schwer zu stemmen, wohingegen lokale Talente ein wesentlich geringeres Risiko darstellen und natürlich gerade beim ortsansässigen Publikum besser ankommen.

Birgit & Bier ist mehr als nur ein Club – Was kannst du uns darüber erzählen?

Ich persönlich betrachte Birgit & Bier nicht als nur einen Club, sondern eher als Kulturzentrum. Anfangs war Birgit hauptsächlich als Biergarten geplant, erst im zweiten Jahr bekam die Club-Komponente mehr Gewicht. Momentan bieten wir die ganze Woche über die verschiedensten Aktivitäten an, die so gar nicht clubtypisch sind wie Stand-Up-Comedy und Street-Food-Märkte. Die riesige Location lässt uns viel Raum für die Umsetzung unserer Ideen und der Kreativität sind quasi keine Grenzen gesetzt.  Zu uns kann auch gerne jeder kommen, der uns mit seiner Initiative und seinen Ideen unterstützen möchte, das Angebot von Birgit noch zu erweitern.

Um Birgit & Bier herum sind noch einige weitere Clubs angesiedelt, wie ist das „nachbarschaftliche“ Verhältnis?

Hin und wieder gibt es clubübergreifende Events z.B. mit ipse oder Burg Schnabel. Abgesehen von der Lage haben aber wir nicht viel gemeinsam, wir sind sehr unterschiedlich. Deswegen sehen wir die anderen Clubs nicht als direkte Konkurrenz. Viel mehr zieht die Vielfalt ein größeres Publikum an, wovon wir im Endeffekt alle profitieren.

Bei Birgit & Bier fühlt man sich manchmal wie bei einem Festival und würde gerne länger bleiben als nur einen Tag. Was für ein Gesamt-Konzept hattet ihr bei der Eröffnung vor zwei Jahren im Kopf?

Da gibt es verschiedene Hauptmerkmale, die ich als „Konzept“ verstehen würde: Erstens bedeutet für uns eine Party mehr als nur eine Location und ein paar DJs, wir überlegen uns für jede Party ein eigenes Thema und passen den Club dementsprechend an. Auch Label-Nights betten wir in das Wochenendthema ein. Zweitens finden wir, dass Berlin das Feiern manchmal ein bisschen zu streng sieht, es soll musikalische Homogenität herrschen und das Publikum dementsprechend ausgewählt werden. Deswegen möchten wir den Leuten eine entspanntere Art des Clubbings bieten: Bei uns gibt es den Rummel-Floor, wo Hits und Trash gespielt werden. Statt Türstehern, die Leuten einfach nur den Zutritt verbieten, haben wir ein eigenes Gäste-Team, das die Gäste darauf hinweist, wie sie sich im Club zu verhalten haben. Die Location ist mit den vielen Floors und Ecken so weitläufig, dass man eine ganze Nacht dort verbringen kann, ohne überhaupt die Tanzfläche zu betreten. Die zwei Hauptaspekte, die Birgit zwei Jahre seit Eröffnung ausmachen, sind Vielfalt und Abwechslung: bei der Musik, der Stimmung und dem Publikum.

Gibt es ein typisches Birgit & Bier Publikum?

Mittlerweile haben wir schon ein treues und tolles Stammpublikum. Generell lässt sich das Publikum in zwei Hauptgruppen unterteilen: Zum einen gibt es die Biergarten-Gäste, die schon am Nachmittag und frühen Abend da sind. Das sind aber nicht diejenigen, die bis in die Puppen auf dem Werkstatt-Floor zu hämmerndem Techno abtanzen. Das ist dann die zweite Gruppe, die Clubber. Sie treffen so gegen 2 und 3 Uhr ein und lösen die vorherige Gruppe ab. Ab diesem Zeitpunkt merkt man dann auch, dass eine ganz andere Atmosphäre herrscht. Wenn du selbst Clubber bist, ist das der magische Moment, der Point-of-no-return: von da an ist es einfach nicht mehr möglich, nach Hause zu gehen.

Bei Birgit & Bier trifft man auf jegliche Art von Kunst, unter der Woche finden sogar Comedy-Events statt. Wie bewältigt ihr das alles ohne durchzudrehen?

Es ist in der Tat manchmal sehr stressig und auf jeden Fall wahnsinnig viel Arbeit. Wir sind ein kleines Team, das sich um alles kümmert. Die vielen Aufgaben werden so gut wie möglich untereinander aufgeteilt, um ein Burn-out zu vermeiden. Da Frühjahr und Sommer unsere Hauptsaison ist, nutzen wir den Winter, um unsere Batterien wieder aufzuladen bevor die nächste anstrengende Saison losgeht. Birgit ernährt sich von Liebe und das ist nicht nur irgendein Klischee: Es würde einfach nicht funktionieren, wenn das Team nicht mit obsessiver Liebe und aus tiefer Überzeugung heraus alles geben würde. Und das macht es zu einem der schönsten Orte, die diese Stadt zu bieten hat.

Was steht als nächstes an? Und was ist für den Sommer geplant?

Als Outdoor-Location ist für uns im Sommer natürlich Hochsaison – mit Festival-Atmosphäre und tausenden Gästen jedes Wochenende. Es kommen viele interessante Events. Dank der Größe unserer Location und der Ausstattung können wir den Besuchern ein Festival direkt vor der Haustür bieten, sie können einfach zu Birgit kommen und müssen nicht erst weit aus Berlin rausfahren.

Das „100 Fahrenheit“ Festival vom 21.07. bis 24.07. ist ein gutes Beispiel: ein dreitägiges Festival mit einem gewaltigen Line-Up wird für unglaubliche Sommer-Stimmung sorgen.

Auch super spannend wird am 20.08. Berlins erster Synthesizer-Flohmarkt, wo Produzenten, DJs und Musikfreaks ihre Synthesizer kaufen und verkaufen und an Workshops teilnehmen können.

Fotos ©Viktor Strasse



Auf einen Blick

Birgit & Bier
Schleusenufer 3
10997 Berlin

Homepage | Facebook | SoundCloud

Comments

comments