Diese 5 Clubs sind zu Legenden geworden

Wir bummeln schon eine Weile durch die bunte Welt des Technos. Man kann es nicht anders sagen: Wir haben unser Herz hoffnungslos an sie verloren. Doch wie in jedem Aspekt des Lebens ist Veränderung und Entwicklung allgegenwärtig – Berlin ist sowohl Stadt des Clubsterbens als auch heimliche Heimat der Phönixe. Für jeden Club, der von der Landkarte verschwindet, entsteht irgendwo ein neuer. Manchmal für Jahre – manchmal nur für Tage.

Der Geist der Stadt befindet sich im immerwährenden Wandel, und auch die Clubkultur bleibt von diesem Umstand nicht unberührt. Uns kam der Gedanke, dass in einer Zeit, in der (wieder) viele junge Menschen ihre Leidenschaft für Techno entdecken, es doch spannend wäre, einen Blick zurückzuwerfen. Was wissen wir – die „neue“ Technogeneration – schon über die Geschichte des Technos in Berlin? Was hat es mit den Ursprüngen der Musik, die wir lieben, eigentlich auf sich?

Als hätte man unsere Überlegungen auf dem Techno-Olymp vernommen, erhielten wir vor kurzem eine Einladung zu einem nächtlichen Abenteuer. Auf dem Fahrrad sollten in einer Nacht- und Nebelaktion legendäre Technoclubs im Stadtkern abgefahren werden, die heute nicht mehr als Veranstaltungsort existieren. Mittels Lichtinstallation und der akustischen Untermalung der Szenerie durch Tracks, die für den jeweiligen Club charakteristisch waren, sollten den Geistern der Vergangenheit für einige Minuten frisches Leben eingehaucht werden. Verantwortlich für die Aktion war die Platform Clubattack. Wir waren sofort Feuer und Flamme und sprangen bewaffnet mit Kamera und Glühwein aufs Fahrrad, um der Kunstaktion beizuwohnen. Eine gefährliche Kombination, aber wir lieben das Risiko.

Mit unserem neuen Format Auf den Spuren von Techno stoßen wir die Tür zu einem riesigen Feld auf und wollen versuchen, euch – und letztlich auch uns – die außergewöhnliche Vergangenheit der Szene in Berlin etwas näher zu bringen. Im ersten Teil schreiben wir etwas zu den Clubs, derer wir bei unserem kleinen Abenteuer gedacht haben.

Zur Einstimmung gibt’s hier einen kleinen Videozusammenschnitt von vergessenen Clubs in Berlin.


Eimer

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Wie viele Clubs entstand der Eimer zur Zeit der Wende und befand sich in einem besetzten Haus in Mitte. Die marode Decke zwischen Erdgeschoss und Keller wurde kurzerhand entfernt – fertig war der Dancefloor. Schwarzlicht und Neonfarben an der Wand verliehen der Location einen ganz eigenen visuellen Touch. Den Namen erhielt der Club, nachdem die Gründer hunderte Eimer Schutt aus dem Haus schaffen mussten, um es nutzbar zu machen.

Der Eimer war eine der Geburtsstätten des Technos – und das, obwohl hier keine elektronische Musik lief. Der Club war die Heimat der Künstler und Andersdenker, aber auch der zentrale Anlaufpunkt für die Rock- und Punkszene. Aus der Grundhaltung und den vielen kreativen Strömungen, die sich im Eimer vermischten, hat sich auch die Technoszene herauskristallisiert.  So war beispielsweise Ben de Biel ein oft gesehener Gast, der einige Jahre später den legendären Technoschuppen Maria am Ostbahnhof eröffnete.

Der Soundtrack zum Club:


Bunker

bunker03Der Bunker war wohl einer der spektakulärsten, imposantesten und gleichzeitig abgedrehtesten Locations der 90er. Ein Bau, den die DDR als Kartoffellager nutzte, verwandelte sich im Grauen der 90er zum härtesten Club der Welt. Zwischen Ekstase, Nebel und Strobolicht fanden hier regelmäßig Gabberparties statt. Wem Gabber nichts sagt – schnelle, harte, verfremdete Musik, die unvorbereitete Synapsen in Sekundenbruchteilen zum Dissoziieren bringt. Nichts für schwache Nerven.

Das Besondere am Bunker war auch die Architektur: ein riesiges Gebäude, aber kein Raum war größer als 20qm. Dementsprechend gab es an einem Abend gut und gerne 30 DJs über vier Etagen. Von Gabber über House, Jungle&Breakbeat  zu Hardtrance war alles vertreten, was Krach machte.

Im Garten des Bunkers kam ein weiterer Club unter – der Ex-Kreuz-Club. Hier wurden wilde SM-Fetisch-Parties gefeiert – im gemeinsamen Garten traf man mit den anderen Partygästen zum Chillen zusammen. Die harmonische Mischung aus Ravern, SM, Sex und elektronischer Musik war es auch, die die Macher des Kit Kats inspirierten. Auch die Snax Parties aus dem Ostgut, bzw. Berghain, haben ihre Wurzeln im Bunker.

Nach vier Jahren Betrieb wurde der Bunker von den Behörden nach einer spektakulären Razzia geschlossen. Und das unmittelbar vor der Abschiedsparty.

Der Bunker existiert noch immer. Heute werden dort zeitgenössische Kunstwerke aus der Sammlung des Bunkereigentümers Christian Boros ausgestellt.

Der Soundtrack zum Club:


Ahornblatt AKA Exit

„2000-08-06 Ahornblatt“ von Axel Mauruszat

„2000-08-06 Ahornblatt“ von Axel Mauruszat

Mit dem Exit sorgten DJ Spezial und DJ Tanith für einen würdigen Nachfolger des Afterhour Schuppens Walfisch. Man zog hierfür in das Ahornblatt, die ehemalige Kantine des Bauministeriums. Wer denkt, dass das exzessive und tagelange Feiern erst mit den Zeiten der Bar25 oder des Ostguts erfunden wurde, hat noch nicht vom Exit gehört. Der Großteil der Besucher war bereits seit Tagen unterwegs und ergab sich dankbar dem für die Zeit sehr poppigen Techno.

Nachdem sich Anwohner in der Nähe über den Lärm beschwerten, musste der Club bereits nach einigen Jahren wieder die Türen schließen. Später wurde die Location zum Symbol für den Ausverkauf der Stadt. Die konservative CDU Regierung der 90er Jahre verkaufte jede freie Fläche und jedes leerstehende Gebäude in Berlin und schaffte es dennoch Ende der 90er völlig pleite zu sein – und nicht mehr im Besitz der Immobilien. 2000 wurde das geschichtsträchtige Gebäude abgerissen.

Heute steht an der Stelle des Ahornblatts ein wenig schönes Novotel Hotel.

In diesem Video seht ihr die Entstehung und den Abriss des Ahornblatts.

Dazu wurde getanzt:


Ostgut

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Als Marusha 1994 ihre Technoversion des Tracks „Somewhere Over The Rainbow“ rausbrachte, und die immer größer werden Loveparade bereits in fünfte Jahr ging, war der Aufschrei in der Szene groß. Techno wird Kommerz! Jetzt ist es vorbei mit Techno! Falsch gedacht: 1998 eröffnete das Ostgut, der Vorläufer der Berghains, in einer alten Bahnhofshalle und setzte der Berliner Technogeschichte einen weiteren Meilenstein. DJ Legenden wie Marcel Dettmann, DJ Boris und Ricardo Villalobos standen bereits damals hinter den Decks des Ostguts, bzw. der ersten Panoramabar und schrieben dort Technogeschichte. Ein Name ist untrennbar mit dem Ostgut verbunden: André Galluzi. Seine bis zu 8 stündigen DJ Sets sorgten regelmäßig für musikalische Grenzerfahrungen unter den Tanzenden.

Im Garten des Ostguts, das optisch in etwa den Charme eines 70er Jahre Aldi-Betonblocks hatte, fanden wohl auch die Macher der Bar25 ihre Inspiration. Die charmante Mischung aus draussen feiern, Afterhour und Party ließ das erste mal die Atmosphäre aufkommen, die später von vielen Menschen an der Bar25 so geschätzt wurde. 2003 wurde das Ostgut unter großem Herzschmerz geschlossen.

Heute steht an dieser Stelle das Parkhaus der Mercedes Benz Arena.

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Ostgut (links) und Panoramabar

Der Ostgut-Soundtrack:


Planet

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Bist du zufällig zur Zeit seines Bestehens im Kater Holzig gewesen? Dann hast du auf einem Stück Technogeschichte getanzt. Früher fand in der alten Seifenfabrik zwischen Deckenmalereien und melodiösen Tönen der Planet seine Heimat. Der Club bildete einen Gegenpol zur harten Tekknozid Musik und ließ durch seine verspielte musikalische Vielfalt erahnen, in was für ein breites Spektrum sich die elektronische Musik in den nächsten Jahren noch entwicklen sollte.

Die Seifenfabrik wird momentan zu einem Wohnhaus mit Eigentumswohnungen umgebaut.

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Der Soundtrack:

Zu guter Letzt gibt es hier noch ein paar Impressionen von dem nächtlichen Abenteuer zu bewundern.

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