Die zwei Jungs von Viktor Talking Machine lieben Vinyl. Keine Frage, wer sie schonmal gemeinsam hinter den Decks im Club erlebt hat, wird diese Reise nicht so schnell vergessen. Als Teil des Monaberry Kollektivs und in Halle lebend schieben Viktor Talking Machine nicht nur extatische Ausnahmezustände in die Clubs der Republik, sondern liefern auf ihrem Soundcloud Channel immer wieder Mitschnitte ihrer erlesenen Sets. Ganz neu ist ihre eigens ins Leben gerufene Reihe „Music With Sleeves“, die diesen besondern Spirit der zwei hervorragend einfängt. Am Ende des Tages, oder besser gesagt ihrer Sets, überzeugen Viktor Talking Machine mit einer unvergleichlichen Mischung aus Techno,  Chicago House und auch mal Abstechern in Funk und Disco.  Viktor Talking Machine leben Vinyl und transportieren live ein Feeling, dass man leider nur noch selten findet. Eine Wärme die umhüllt und ein Groove der Herz und Seele packt. Wir haben mit Viktor Talking Machine gesprochen und uns über ihre Mixsessions, Perfektion und ihre Pläne unterhalten.

Ihr seid Vinyllover – wisst ihr noch wann ihr das erste Mal eine Scheibe in der Hand hattet und der Funke übergesprungen ist?

Eine der ersten Platten, die wir aus dem Plattenschrank unserer Eltern gezogen haben und in den Händen halten durften, war Oxygène von Jean-Michel Jarre. Die Filme von Chackie Chan haben uns zu diesem Meisterwerk geführt. Verliebt in das schwarze Gold haben wir uns dann in diversen Plattenläden in Halle und Nordhausen. Hier haben uns Matt John, Marcel Knopf oder Ron Flatter die Kohle aus der Tasche gezogen und dafür gesorgt, dass wir regelmäßig wiederkommen.

Wie lange legt ihr eigentlich schon auf und wie habt ihr zueinander gefunden?

Unabhängig voneinander legen wir seit dem Millennium auf. Vermutlich weil wir Angst hatten, dass die Rechner abstürzen. Da haben wir uns einfach ein analoges Instrument gesucht und das ist der Plattenspieler geworden. Wir haben uns dann 2008 gefunden und gemerkt, dass zusammen auflegen einfach noch mehr Energie freisetzt. Das ganze geschah auf einer Party, die wir selbst veranstaltet hatten. Wie immer waren wir mehr DJs als sinnvolle Slots zur Verfügung standen. Also entschlossen wir uns kurzerhand dazu back to back zu spielen. Nach den zwei Stunden kamen wir zu dem folgenschweren Entschluss, dass wir das öfter machen sollten.

Bietet Halle eine gute Szene für eure musikalische Ausrichtung?

Halle ist für uns und unsere Musik ein idealer Nährboden. Hier haben wir viele Gleichgesinnte, aber es gibt noch genug Freiraum, um selbst aktiv zu werden. Es gibt legale Clubs, illegale Clubs, Freiflächen für Festivals und autonome Radiosender. Man merkt, dass regelmäßig frischer Input durch die neuen Studenten in die Stadt schwappt. Außerdem liegt Halle perfekt. In der Mitte von Deutschland und mit einem Flughafen direkt vor der Haustür. Was wir allerdings stark vermissen, ist ein Plattenladen, der unsere musikalischen Wünsche erfüllt.

Eure Mitschnitte von Sets sind ja sehr exklusiv, nun startet ihr eine eigene Podcastseries. Was macht für euch einen guten und unterhaltsamen Mix aus?

Ein guter Mix muss wie guter Sex sein. Es darf nicht vorhersehbar sein und Überraschungen sind wichtig. Dabei ist der Moment einen neuen Track zu entdecken und sich zu verlieben wichtiger, als 60 Minuten Perfektion. Am Ende soll man traurig sein, dass es schon vorbei ist.

Welchen Sounds lauscht ihr sonst so privat nach einem langen Clubwochenende?

Am liebsten hören wir dann den Sound unseres Kopfkissens, das uns langsam sein Schlaflied singt. Die Natur mit all ihren Geräuschen spielt auch eine große Rolle und ist Inspiration und Erholung zugleich. Sollte es doch mal was aus Lautsprechern sein, dann gerne instrumentaler Hip Hop. Finden wir super spannend und da haben wir in Halle zum Glück auch unsere Leute, die uns ständig mit Nachschub abseits des 4/4 Takts versorgen.

Welche Locations in Berlin neben fernab von Clubs und Bars besucht ihr immer wieder gern, wenn ihr in der Berliner City  seid?

Der botanische Garten ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert. Wir sind aber auch zwei sehr designaffine Menschen und lieben es Stunden im Motto zu verbringen und Magazine und Bücher zu wälzen. Später geht es dann in Schneiders Laden. Hier spielen wir an den viel zu teuren Maschinen rum und kaufen danach noch ein paar Kabel für unsere viel zu teuren Maschinen im Just Music. Ein Besuch im Hard Wax können wir uns meistens nicht verkneifen. Und wenn dann noch Geld übrig ist, frönen wir unserer Leidenschaft für schnelle Schuhe im Overkill.

Was geht bei euch noch in 2016?

2016 werden wir noch 3 EPs fertig schrauben, unser Studio zum 157sten Mal umbauen, viele Wochenenden durchfeiern und wenig schlafen.


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